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Pressemeldungen bis 2007

Dresdnerinnen lieben japanische Comic-Helden

Monika Dänhardt

Mangas erfreuen sich wachsender Beliebtheit - dies weiß Anne Barth vom Verein Aniversum, die beim Manga-Wettbewerb zur Jury gehört.

Große, unschuldige Augen, wehende Haare, Stupsnase, kämpferische oder verträumte Haltung - die Helden aus japanischen Comics, Mangas genannt, haben ihre ganz eigene Ausstrahlung und erobern zunehmend auch Dresdner Kinder- und Jugendzimmer. In der Medienetage der Städtischen Bibliothek auf
der Waisenhausstraße halten sich die Manga-Hefte nicht lange im Regal. Selbst die Anleitungsbroschüren zum Selberzeichnen gehen sozusagen von Hand zu Hand. Wobei es eindeutig vor allem Mädchen sind, die sich dann ihre eigene Fantasiewelt nach japanischem Vorbild schaffen - wie der 2. Manga-Wettbewerb zeigt. Die Medienetage hatte dazu in den Sommerferien aufgerufen. Unter den
63 Teilnehmern waren gerade mal fünf Jungen.

Freundliche Helden

Anne Barth ist Mitglied der Jury dieses Wettbewerbes. Die Wahl fiel nicht zufällig auf sie. Die 25-jährige Dresdnerin gehört seit Anfang an zum Aniversum e.V., einem Verein, der Fans von japanischen Comics, Zeichentrickfilmen, aber auch moderner japanischer Musik vereint. "Anfangs, also vor zehn Jahren, ging es uns besonders darum, Mangas und japanische Trickfilme, Anime, bekannt zu machen. Heute organisieren wir Treffen, fördern den Austausch."
Übrigens ist Aniversum nach Auskunft der Mitglieder der einzige Verein dieser Art in Deutschland und zählt heute über hundert Mitglieder.

Anne Barth führte das Interesse für Mangas zu Aniversum. "Die Begeisterung kam mit dem Boom japanischer Zeichentrickfilme im Fernsehen - ,Mila Superstar', ,Die Königin der tausend Jahre', ,Sailor Moon'." Besonders die zuletzt genannte Serie war der Anstoß, dass Anne Barth selbst zum Stift griff: "Das hat mich einfach fasziniert - die vielfältige Gestaltung, das Liebevolle, Freundliche. Ich mag auch die fantasievollen Geschichten, die sich um die sympathischen Charaktere entwickeln."
Inzwischen kann Anne Barth schon einige Preise für ihre Arbeiten vorweisen, u.a. einen Doujinshi vom deutschlandweit ausgeschriebenen Connichi-Zeichenwettbewerb.

Eine Nummer kleiner ist der Dresdner Wettbewerb. Doch viele der
eingesendeten Arbeiten sprechen nicht weniger vom Talent ihrer kleinen und größeren Schöpfer. Für die Besten gibt es auch hier Preise. Ob Tim Löchner, der Sieger in der Altersgruppe über 16 Jahre, einen Bonus hatte, weil er zu den wenigen männlichen Wettbewerbsteilnehmern zählt? Anne Barth verneint dies und holt seine Arbeit hervor: "Sein Held ist wirklich ein eigener Charakter. Er
trägt zwar wesentliche Merkmale der Mangas, wurde aber nicht einfach abgemalt. Außerdem ist eine große Liebe zum Detail zu erkennen." Dies kann auch von der Kämpferin gesagt werden, die Beheshta Quadi gestaltet hat. Sie hat ihrer Manga-Frau außerdem Drachen beigegeben, die von Stärke sprechen.

Völkerverbindende Comics

Die 13-Jährige aus Afghanistan, die mit ihrer Familie in Dresden lebt, ist Siegerin der Gruppe der unter 16-Jährigen. Schüchtern, aber glücklich nimmt sie ihren Preis entgegen. Wie die anderen Sieger - in jeder Gruppe wurden drei gekürt - zeichnet sie schon einige Jahre Mangas.
Janett Rusek von der Medienetage hat den Wettbewerb organisiert. Sie weiß, dass gerade die Mangas sozusagen völkerverbindend wirken: "Vor diesen Regalen stehen oft Kinder und Jugendliche verschiedener Nationalitäten."

Sächsische Zeitung vom 14.09.2007

Azubis übernehmen die Macht

Umstürzlerische Lehrlinge haben in der Jugendbibliothek die Macht übernommen: Die medien@age an der Waisenhausstraße ist seit Montag fest in Azubi-Hand. Die Revolte war freilich "von oben" abgesegnet und ist Teil einer neuen Ausbildungsmethode. Vier Wochen lang leiten die Jugendlichen selbstständig die Geschicke der Jugendbibliothek, bestimmen selbst über Finanzen und Bücherkäufe, organisieren die Ausleihe und den Personaleinsatz. Das Projekt soll sie zu verantwortungsbewusstem und selbstständigem Handeln animieren. Insgesamt bilden die Bibliotheken nun vierzehn Azubis aus - zwei mehr als im Vorjahr.

Heiko Weckbrodt, Dresdner Neueste Nachrichten vom 28.06.2007

Fürs Träumen bezahlt

Jugendbuchautor Kevin Brooks auf Lesereise in Dresden

Kevin Brooks ist nicht sehr groß, trägt ein ausgeleiertes dunkles T-Shirt, eine ebenso dunkle Hose und wirkt ein wenig müde. Man sieht ihm den Erfolg nicht an. Und doch ist der 48-jährige Brite ein vielfach preisgekrönter Autor, der im letzten Jahr den Deutschen Literaturpreis der Jugendjury erhielt. Das Buch, mit dem er gerade auf Lesereise in Dresden war, ist bereits sein vierter auf deutsch erschienener Jugendroman und heißt „Kissing the Rain“. Passenderweise regnete es am vergangenen Donnerstag gegen die Scheiben der Haupt- und Musikbibliothek im World Trade Center.
Der Regen im Buch ist allerdings symbolischer Art. Moo, der 15-jährige Protagonist, bezeichnet so die täglichen Sticheleien seiner Mitschüler, die er an sich abprallen lässt. Denn er ist ein klassischer Außenseiter, ist übergewichtig, traurig und voller Selbstzweifel. Nur auf einer Autobahnbrücke findet er Ruhe. Als er von dort eines Tages einen Mord beobachtet, wird Moo von allen Seiten unter Druck gesetzt, das „Richtige“ zu tun. Am Ende muss er sich entscheiden, aber wie das gehen soll, das weiß er nicht. „WAS WIRST DU MACHEN?“ schreit der letzte Satz des Buches dem Leser entgegen.
Kevin Brooks gibt keine Antworten. Er schreibt realistisch und erwartet eine ehrliche Auseinandersetzung mit dem Dilemma. Dafür erfand er eine eigene Sprache. Sie ist eine Zumutung, dieses Abgehackte, die vielen Wiederholungen, die Fehler. Aber es ist auch der glaubhaft dargebotene innere Monolog eines verwirrten Jugendlichen, der versucht, die Welt zu verstehen. Zu dieser Fragmentsprache inspiriert wurde Brooks durch Menschen, die ihm Briefe schrieben und, obwohl sie nicht sehr gut mit Worten umgehen konnten, ihr Anliegen klar verständlich machten.
Verstanden haben dürften die beiden Dresdner Gymnasialklassen auch den englischsprachigen Autor. Bei der Übersetzung von seitenlangen Textpassagen (bei der vorherigen Lesung vor jüngeren Zuhörern in der Medien@age war diese unbedingt nötig) schienen sich die 16 bis 18-Jährigen ein wenig zu langweilen. Johann Koch vom Bernhard-von-Cotta-Gymnsium nutzte die Zeit und fragte im Anschluss: „Schreiben Sie, um sich frei zu fühlen oder des Geldes wegen?“ Die Antwort: „Also Geld bringt es nicht soviel. Es ist aber eine tolle Möglichkeit mich auszudrücken, ich wollte schon immer schreiben und nun werde ich fürs Träumen bezahlt.“ Das klingt, als hätte Kevin Brooks alles richtig gemacht, wenn es das für ihn gäbe.

Die Reihe „Buchpremieren für Jugendliche“ in der Medien@age (Waisenhausstraße) geht in die Sommerpause und wird voraussichtlich Ende September mit dem „Multikulti-Irrtum“ von der Berliner Frauenrechtlerin Seyran Ates fortgeführt.

Juliane Hanka, Dresdner Neueste Nachrichten

Was verbinden Sie mit Deutschland?
Meine Schwiegermutter ist Österreicherin und meine Frau hat Deutsch studiert. Sie kennt sich also mit deutscher Kultur aus. Was mir auffällt ist, dass es hier eine andere Einstellung zu Jugendbüchern gibt als in Großbritannien. Menschen nehmen sie ernster, sind interessierter und fragen nach sozialen Aspekten, getreu der Tradition der deutschen Literatur in der es um bedeutende Dinge geht. Das ist interessant. Ich mag die Unterschiede zwischen den Kulturen. Wir sind nun mal nicht alle gleich und das ist gut so.

Sie erwähnten einmal, dass Kinder netter sind als Erwachsene, sehen Sie das wirklich so?
Das habe ich vermutlich gesagt, es ist aber eine Generalisierung. Ich fühle mich wohl unter Kindern und Jugendlichen. Sie sind aufgeschlossener, fragen, alles bedeutet mehr und die Gefühle sind intensiver. Wenn man älter wird sucht man keine Antworten mehr und hört auf, darüber nachzudenken. Kinder springen von Gefühl zu Gefühl, sind traurig und im nächsten Moment wieder glücklich. Das mag ich sehr.

Schreiben sich Jugendbücher anders als Bücher für Erwachsene?
Die Herangehensweise ist gleich. Aber Jugendbücher, in denen eine junge Hauptfigur ihre Geschichte erzählt, müssen auch in einer passenden Sprache geschrieben sein. Grundsätzlich kann man aber jeden Charakter, gerade die der Populärliteratur für Erwachsene, in einen Jugendlichen verwandeln und es würde als Jugendbuch akzeptiert werden.

In “Kissing the Rain” geht es um Entscheidungen. Sie heben aber nicht den moralischen Zeigefinger, sondern lassen das Ende offen. Eine Herausforderung für den denkenden Leser?
Absolut. Ich will nicht belehren. Es gibt kein Schwarz-Weiss Denken. Gerade weil alles so vage, so grau ist, wäre das gefährlich. Es gibt einfach kein allgemein gültiges Verständnis von Richtig und Falsch für verschiedene Situationen. Wenn es für die großen Probleme Lösungen gäbe, dann hätte man die schon vor Jahren gefunden. Hätte ich meinem Buch ein Happy End verpasst, wäre das nicht ehrlich gewesen.

In wie weit ähneln Sie der Hauptfigur, dem Außenseiter Moo?
Ein wenig, aber ich schaue beim Schreiben nicht in meine Kindheit. In meinen Zwanzigern habe ich mich anders gefühlt, auf mir wurde schon mal herumgehackt, aber nie so wie auf meinem Titelhelden.

Sie waren aber mal Punk, also bewusst ein Außenseiter?
Das war 1976/77 in einer ländlichen Gegend Südwestenglands und dort verprügelten uns die Leute ständig, weil wir anders aussahen. Viele meiner Freunde mochten die Konfrontation und gingen in Pubs wo die Hell’s Angels rumhingen. Ich hasste das und hatte Angst. Einige wurden schwer verletzt, Menschen, die ich kannte, starben. So lernte ich, als anders wahrgenommen zu werden.

Benutzen Sie die Kriminalität nur zur Spannungserzeugung oder üben Sie damit auch soziale Kritik?
Es ist keine Kritik, eher ein Kommentar. Ich hab eine private Meinung, öffentlich würde ich die jedoch nicht preisgeben. Ich bin aber sehr interessiert an Gewalt und am Gesetz, ich lese über Gerichtsverhandlungen und schaue sie mir an.

Sie sind jetzt 48 Jahre alt. Sind Sie eher Kind oder Erwachsener?
Ich kann alleine ins Ausland reisen und mit Menschen umgehen, aber ich finde die Erwachsenenwelt oft immer noch sehr verwirrend und angsteinflößend. Gerade wenn du aufwächst, arbeiten gehst und heiratest, ist es nicht sehr hilfreich, dich dabei wie ein 15-Jähriger zu fühlen. Aber das geht sicher den meisten so.

Nur die Glücklichen überleben

Jörg Zittlau unterhält sein Publikum mit evolutionsbiologischen Unzulänglichkeiten

Im Jahre 1857 schätzte Charles Darwin, dass rund 1,7 Millionen Tierarten auf der Erde existierten, 1,65 davon wirbellos. „Lebewesen ohne Rückgrat und Gehirn waren am durchsetzungsfähigsten“, meint der Wissenschaftsjournalist Jörg Zittlau und man glaubt, dabei einen ironischen Unterton herauszuhören. In seinem neuen Buch „Warum Robben kein Blau sehen und Elche ins Altersheim gehen“ versucht er zu beweisen, dass Darwin irrte, als er annahm, nur die Besten würden überleben. Anpassung ja, Perfektion auf keinen Fall.

Der Experte erklärt es am Beispiel. Kängurus bauten Gehirn ab, weil es beim Springen ständig „gegen die Schädeldecke titschte“ und verloren so jeglichen Spürsinn und Jagdinstinkt. Der Elefant experimentierte mit seinem Äußeren: Am Anfang ähnelte er einem Tapir. Doch die schweren Zähne mussten ausgeglichen werden; der Hals fiel weg. Nun recht unbeweglich, musste sich der Dickhäutiger etwas einfallen lassen, um an sein Essen zu gelangen. Ein paar tausend Jahre und „ewiges Pannenbeheben“ später hatte er einen Rüssel. Auch der Mensch ist aus evolutionsbiologischer Sicht ein „Mängelwesen“. Er hat kein Fell, ist „nicht schnell oder kräftig“ und der Nachwuchs kann anfangs „weder laufen noch sprechen“. Der Homo sapiens nutzt sein Gehirn, um diese Defizite auszugleichen.

Während der gestrigen Lesung der Reihe „Buchpremiere für Jugendliche“ in der Dresdner Jugendbibliothek wirkte der 47-jährige Autor stets so, als hätte er die Evolution persönlich miterlebt. Er unterhielt die Zuhörer in sehr anschaulicher Sprache und nutzte die Komik des Momentes: Die Entscheidung des Nilflughundes für ein großes Geschlecht und gegen die Durchblutung seines Gehirns bezeichnete er als „Sackgasse“. Schon bei seiner Doktorarbeit wurde Zittlau der „Hang zum Populismus“ bescheinigt. Für ihn der Anfang einer erfolgreichen journalistischen Karriere, die jetzt in der Theorie des „Survival of the Luckiest“ gipfelte: Es überlebt, wer das Glück hat, mit seinen Unzulänglichkeiten umgehen zu lernen.
Juliane Hanka

„Warum Robben kein Blau sehen und Elche ins Altersheim gehen“ – Pleiten und Pannen im Bauplan der Natur von Jörg Zittlau, Econ-Verlag, 191 S., 18 Euro. Die nächste Buchpremiere findet am 14. Juni mit dem mehrfach ausgezeichneten amerikanischen Jugendbuchautor Kevin Brooks statt.

Juliane Hanka, Dresdner Neueste Nachrichten vom 18.04.2007

"Alles Bestens"? - Dritte Buchpremiere in der Jugendbibliothek

Johannes ist 16 Jahre alt. Seine Mutter ist Psychologin, sein Vater Orthopäde und zusammen leben sie in einem wohlhabenden Stadtteil Berlins. Alles bestens also. Allerdings, der Vater hat nie Zeit und mit der Mutter kann Johannes nicht reden, da diese von Berufs wegen immer alles versteht und ihm lieber eine “Überschneidung seines Ichs“ bescheinigt, als ernsthaft zuzuhören. Er fühlt, dass er kein Kind mehr ist, doch hasst er die Heuchelei der Erwachsenen. In einem Anfall von Männlichkeit sperrt er sich aus der Wohnung aus, nur in Unterhose und mit einer Zigarette in der Hand und schlägt sich anschließend drei Tage durch Berlin. Auf der Suche nach Sandra, einem ukrainischen Mädchen, in das er sich verliebt hat, begegnet er Sandra zwei und drei, pinkelt in das Auto des Superstar-Casters „Pieter Mohl“, kifft und redet mit einem bunten Fisch. Als er seinen vermeintlich geschäftsreisenden Vater knutschend mit einer jungen Angestellten bei Karstadt entdeckt, begreift er, dass sein Leben den Zuckerwattemantel abgeworfen hat. Was bleibt, ist die Chance, sich von seinen Eltern zu lösen, und die will Johannes nutzen.

Beate Dölling lässt in „Alles Bestens“ keinen Zweifel daran, wer ihr Werk beeinflusst hat. So ist der Johannes des Jahres 2007 eben auch Holden Caulfield, der tragische Held in J. D. Salingers „Der Fänger im Roggen“ aus dem Jahr 1951. Er durchlebt dieselbe Unzufriedenheit, erleidet dieselben Ängste eines Heranwachsenden, der von niemandem verstanden wird, weil er nicht gedankenlos mitläuft. Dölling überträgt nicht nur große Teile der Handlung in die aktuelle Zeit, sondern nutzt auch die derbe Sprache Salingers, die vor 50 Jahren für Aufregung sorgte. Wörter wie „verdammt“ oder „Scheiße“ schockieren heute niemanden mehr. Sie gehören längst zum normalen Sprachgebrauch, nicht nur von Jugendlichen.

Die Schüler, alle zwischen 15 und 16 Jahren, wirkten gestern während der Lesung in der Jugendbibliothek konzentriert. Fast schien es, als zögen sie in ihrem Kopf gerade mit dem Protagonisten durch Berlin.
Martina Reinhold, Bibliotheksleiterin und Organisatorin der Reihe „Buchpremiere für Jugendliche“ glaubt, dass es dem Publikum gefallen hat.
„Cool, dass Johannes allein zurechtkommen musste“, zitiert sie die spontane Reaktion eines Schülers. Ein Beweis dafür, dass das Konzept funktioniert. Seit Anfang des Jahres stellen Autoren in der Jugendbibliothek, der Medien@age, ihre neuen Bücher vor. „Egal ob Belletristik oder Fachliteratur, wichtig ist das Interesse der Jugendlichen“, so Reinhold, „und, dass sie in die Lesung mit eingeflochten werden.“ Die Schüler lernen den Autor kennen und Fragen und Mitdenken sind ausdrücklich erwünscht. Das klingt doch alles Bestens.

Juliane Hanka, Dresdner Neueste Nachrichten vom 16.03.2007

Totgesagte leben länger - Lateinstunde in der Jugendbibliothek

„Nuntii novissimi Dresdenses lectoribus salutem!“
Wenn die DNN ihre Leser jeden Morgen auf Lateinisch begrüßten, wäre das sicher ganz im Interesse von Professor Dr. Wilfried Stroh.
Der Münchner Philologe bescherte gestern über 100 Gymnasiasten in der Dresdner Jugendbibliothek eine seltene Praxiserfahrung: Er sprach Lateinisch.

Jeder Zeitgenosse vermutet darin erst einmal ein Paradoxon: das Wort „Latein“ landet fast wie von selbst im Kästchen mit der Aufschrift „Tote Sprache“ und verschwindet in der Schublade „langweilig“. Völlig zu Unrecht, wie Stroh bei der Vorstellung seines Buches „Latein ist tot, es lebe Latein!“ in der Dresdner Jugendbibliothek behauptete. Zu lernen gab es dabei einiges: Das klassische Latein sei die einzige Sprache, deren Regeln unwiderruflich feststehen. Gerade weil sich die Sprache Ovids und Ciceros nicht weiterentwickeln könne, sei diese heute noch so lebendig wie vor über 2000 Jahren. Damals löste sie eigentlich Griechisch als Weltsprache ab. Nicht aus dem elitären, sondern aus dem bevölkerungsnahen Vulgärlatein haben sich im 6. bis 8. Jahrhundert die romanischen Sprachen entwickelt.

Ähnlich, wie „Zwiebelfisch“ Bastian Sick Sprache auf unterhaltsame Art lehrt, klärte der bayrische Professor die Jugendlichen über sprachliche Trugschlüsse auf: Das Wort „Caesar“ heißt eigentlich „Kaiser“ und erfuhr erst durch den Volksgebrauch die heutige Aussprache. Bibliotheksleiterin Martina Reinhold lief auch prompt in die Phonetik-Falle. Sie hatte in der Ankündigung des Autors versucht, ihr Schullatein anzuwenden und sprach ein paar Worte – in besagtem Vulgärlatein. Wenn Amerikaner von „Whinei. Whidei. Whikei.“ reden, meinen sie die berühmten Worte des römischen Imperators: „Veni, vidi, vici“. Glaubt man Stroh, überlebt Latein auf seine ganz eigene Weise. Neue Wörter werden kurzerhand aus anderen Sprachen zusammengebastelt, Cover Girl oder Internet – alles ist auf Lateinisch formulierbar.

Latein macht Spaß! Das ist die erfreuliche Botschaft von Stroh und die kommt an bei den Jugendlichen. Es wird nachgefragt, gelacht und herzlich applaudiert – für einen zweistündigen Lateinvortrag recht ungewöhnlich. Und der Beweis für Strohs kurzweilige Lehrqualitäten. „So ein praktischer Exkurs ist eine hervorragende Ergänzung zum theoretischen Schulstoff“, sagt Dieter Maier, Latein-Lehrer am Hülße-Gymnasium. Er gesteht, dass selbst Lehrer nur selten in der Lage sind, fließend Latein zu sprechen.

Wilfried Stroh ist der zweite Autor, der in der Reihe „Buchpremieren für Jugendliche“ sein Werk vorstellte. Am 15. März besucht Beate Dölling die Jugendbibliothek über den Dächern Dresdens. Ihr Roman „Alles bestens“ überträgt die Geschichte von J.D. Salingers „Der Fänger im Roggen“ nach Berlin. Lateinische Ausführungen sind nicht zu befürchten oder, wie gerade richtiggestellt wurde, nicht zu erhoffen. „Vivat lingua Latina!“ Es lebe Latein!

Juliana Hanka, Dresdner Neueste Nachrichten vom 09.03.2007

Literatur. Thomas Fuchs erzählt jungen Lesern von einem Dorf in Ghana.

Von Undine Materni

Während am Freitag die Passanten wagemutig übers Blitzeis schlitterten, lauschten in der Dresdner Jugendbibliothek Schüler einer neunten Klasse dem Berliner Kinder- und Jugendbuchautor Thomas Fuchs. Und das Seltsame war – sie lauschten wirklich; anfangs vielleicht noch überwältigt von der ungeheuren Redegeschwindigkeit des rundlichen, beherzten Mannes, zunehmend aber gefangen von einer Geschichte, in der weder Drachen noch Raumschiffe vorkamen.
Dabei beginnt die Geschichte, vorsichtig gesagt, recht unglaubwürdig: Die sechzehnjährige Josefina ersteigert bei einer Internetauktion für 71 Euro das Dorf Srafa in Ghana. Eigentlich wollte sie etwas Folkloristisches für ihre ältere Schwester zum Geburtstag kaufen. Was anfangs wie ein Witz aussieht, entwickelt sich jedoch auf überraschende Weise. Plötzlich taucht der Sohn des Verkäufers, ein Student, bei Josefina auf und will das Dorf wiederhaben. Bis dahin wollte sie es auch schnellstens wieder loswerden, aber jetzt bleibt sie plötzlich stur. Und natürlich sieht dieser Malcolm verdammt gut aus …
Jetzt sammelt sie mit Freunden Geld für eine kleine Solaranlage, für Srafa. Überraschenderweise hat ihre Schwester, eine Jungunternehmerin in Sachen Schönheit, in Togo zu tun und nimmt Josefina als Haarmodel mit. Gemeinsam mit Malcolm und dessen Onkel reist sie weiter nach Srafa, wo sie endlich den Verkäufer des Dorfes trifft. Und hier wird die Geschichte, die bedauerlicherweise vom Verlag vordergründig als Liebesgeschichte beworben wird, richtig spannend.
Sensibel und mit Sachkenntnis schreibt Thomas Fuchs über das Aufeinandertreffen zweier Kulturen, über absurde Bräuche, über Möglichkeiten und Grenzen von Hilfsprojekten und schließlich auch über die behutsame Annäherung der beiden Hauptfiguren. Was dieses Buch sympathisch macht ist, dass sich Thomas Fuchs den Jugendlichen nicht anbiedert, sie nicht imitiert, um Nähe herzustellen, er mutet ihnen auch einiges an Wissen zu, über afrikanische Geschichte etwa, wirtschaftliche Probleme und die merkwürdigen Ausmaße, die gut gemeinte Hilfe aus Europa manchmal annimmt.
Thomas Fuchs, Jahrgang 1964, veröffentlichte zahlreiche Kinder- und Jugendbücher, arbeitet als Rundfunkjournalist, ist der Erfinder des Kakadu mit der grellen Stimme im Kinderfunk, kocht gern, hat selbst zwei Kinder und ist ein durchaus fröhlicher Mensch.

Thomas Fuchs: Akwaaba. Ein Sommer in Afrika, Thienemann Verlag 352 S., 16,90 Euro

Sächsische Zeitung vom 23.01.2006

Per Mausklick durch die Bibliothek

Neue Homepage der medien@age

Der April ist da, er bringt neben berüchtigten Scherzen und wechselhaftem Wetter zum Glück auch so schöne Dinge wie das Osterfest. Traditionell ist diese Zeit des Jahres bestens geeignet für Neuanfänge und Frühjahrsputz.
Gründlich umgestaltet präsentiert sich seit gestern die Homepage der medien@age, Dresdnes Jugendbibliothek zwischen Altmarkt und Prager Straße. Alte Hasen und Grünschnäbel sind eingeladen, unter www.medienetage-dresden.de auf einen virtuellen Spaziergang vorbeizuschauen.
Erstmalig kann man jetzt online im Gesamtkatalog recherchieren, Ausgeliehenes verlängern lassen, Kommentare zu einzelnen Angeboten abrufen oder selbst welche verfassen.
"Beim Design hat der Nutzer die Auswahl zwischen vier verschiedenen Varianten", erläutert Katrin Doll, die Leiterin der Medien@age. "Der Informationsgehalt ist identisch, das Layout wechselt je nach Geschmack zwischen kunterbunt und sachlich dezent."
Jeden Monat wird ein besonderes Thema genauer unter die Lupe genommen. Wer in den nächsten Wochen auf die Seiten der Medienetage schaut, erfährt zum Beispiel, warum der Osterhase als Braten endete und weshalb österliche Märchen in der Kirche schon nach kurzer Zeit wieder verboten wurden.

Sächsische Zeitung vom 01.04.2003



Jugendbibliothek hat neuen Internetauftritt

Die Jugendbibliothek "medien@age" präsentiert sich seit gestern mit einer runderneuerten Homepage im Internet.
Der Auftritt ist deutlicher geworden und soll den jungen Lesern helfen, schnell an die gewünschten Dienstleistungen ihrer Bibliothek heran zu kommen.
So können die Internet-Surfer beispielsweise einen elektronischen Rundbrief abonnieren, der sie regelmäßig über neue Filme, Musik, PC- Spiele und andere Themen informiert.
Außerdem ist es möglich , sich für den SMS-Service der medien@age registrieren zu lassen.
Die Nutzer erhalten dann per Handy eine Nachricht, wenn von ihnen bestellte Bücher eingetroffen sind oder die Leihfrist ausläuft.
Zudem sind die Surfer eingeladen, den Medienbestand mitzubestimmen: Sie können auf der Internetseite Wunschtitel eintragen, die von der Bibliothek
angeschafft werden sollen.
Daneben bietet die Homepage allerlei Informationen über die Bibliothek, stellt neuerworbene Medien vor, widmet sich aber auch aktuellen Jugendthemen.

Dresdner Neueste Nachrichten vom 01.04.2003

Tempel der Leselust

„Die Modernste“

Futuristisch wirkt abends der Glasturm in der Dresdner City (Waisenhausstraße 8). 638 Quadratmeter über zwei Etagen, viel Glas und Stahl. 14 Internet-Plätze, je zwei Plätze für Games und Grafiken sowie einmal für CD-ROM. Der Bestand der Jugendbibliothek umfasst Literatur, CDs, Software. Geöffnet werktags 10 bis 20 Uhr, samstags bis 16 Uhr. Jahresgebühr 20 Mark, für Jugendliche von 14 bis 18 Jahren die Hälfte. Kinder frei. Tel. 0351/4861781.

"Bild" vom 07.03.2001

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